Schüleraustausch-Programme

Wie läuft die Pflegeausbildung in anderen Ländern? Welchen Einfluss haben die verschiedenen Kulturen auf die Pflegesituation? Seit mehr als fünf Jahren ermöglicht die Akademie für Gesundheitsberufe ihren Schülerinnen und Schülern Praktika im europäischen Ausland und darüber hinaus.

Die internationalen Praktika werden durchgeführt im Rahmen des EU-Projektes "Erasmus +" und weiteren Kooperationen:

  • Deutscher Verein vom Heiligen Land (Praktikum in einem Altenheim in Westjordanland/Palästina)
  • Centro Universitário Franciscano (Santa Maria, Brasilien)
  • St. Patrick’s Nursing and Midwifery Training College in Offinso, Ghana. Diese Kooperation wurde durch das "Eine Welt-Forum–NRW" in Mönchengladbach initiiert und wird kooperativ weiterverfolgt
  • Hopitaux de Saint Maurice (Paris, Frankreich)
  • Da Vinci College (Dordrecht, Niederlande)
  • Kellebeck College (Roosendaal, Niederlande)
  • Stadin ammattiopisto Helsinki Vocational College (Helsinki, Finnland)

Welcome to the kbs! Willkommen in der kbs!

YouTube-Video als Schülerprojekt aus dem Kurs GUK-3.2016
Die weltweiten kbs-Schüleraustausch-Kooperationen führen unsere Pflegeschüler in die verschiedensten Teile der Welt. Umgekehrt besuchen Krankenpflegeschülerinnen und -schüler u.a. aus Finnland, den Niederlanden, China und Ghana die kbs in Mönchengladbach. Zur Vorbereitung auf den Besuch in Deutschland geben zwei Schülerinnen aus dem Kurs GUK-3.2016 in ihrem Film einige Basis-Infos zur kbs, der Arbeit in den Kliniken Maria Hilf und Freizeitaktivitäten.

Zum Auslandspraktikum in die Kliniken Maria Hilf nach Mönchengladbach

kbs-Projektkoordinatorin Cordula Gallois und Krankenschwester Bettina Schiffer mit Praktikantin Vanessa Knezovic und Jolanda van de Lagemaat aus dem Da Vinci College in Dordrecht

Die 21-Jährige Niederländerin Vanessa Knezovic war Gast der Akademie für Gesundheitsberufe am St. Kamillus (kbs) und absolvierte im Rahmen ihrer Pflegeausbildung ein dreimonatiges Praktikum auf der Station S0 im Krankenhaus St. Franziskus.

Über das Erasmus-Programm (ein internationales Austauschprogramm für Schüler, Studenten und Auszubildende) bewarb sie sich für einen Auslandsaufenthalt in Deutschland. Mit Erfolg. Durch die Kooperation der kbs mit dem Da Vinci-College in Dordrecht erhielt sie die Zusage für praktische Erfahrungen im Nachbarland. „Europa wächst zusammen und da ist für uns selbstverständlich, dass Auszubildende grenzübergreifende berufliche Erfahrungen sammeln und internationale Berufskompetenzen erwerben. Insbesondere in der Erfahrung anderer Kulturen lernt man sehr viel über die eigene Lebensweise“, erklärt Cordula Gallois, die in der Pflegeakademie die Projektarbeit betreut.

Drei Fragen an Austauschschülerin Vanessa und die stellv. Stationsleitung Elke Decker

1. Vanessa, was war ähnlich und was war anders in Ihrer Pflegeausbildung gegenüber der Situation in den Niederlanden?
In den Niederlanden erfolgt die Ausbildung zum großen Teil in der Schule, praktische Einsätze im Krankenhaus gibt es weniger. Mir hat der umfassende Praxisanteil und speziell der Umgang mit den Patienten sehr gut gefallen, durch die fachliche Anleitung der Kolleginnen habe ich viel gelernt. In der ersten Woche haben sie mich „eng“ begleitet; als das Team dann gesehen, was ich konnte, durfte ich zunehmend selbstständig arbeiten. Besonders gut gefallen hat mir der angstfreie Umgang untereinander, ich fühlte mich nie überfordert, sondern konnte immer um Hilfe bitten.

2. Wie würden Sie Ihre Entwicklung während des Praktikums beschreiben?
Meine Zeit in Mönchengladbach hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und meine Selbstständigkeit sehr gefördert! Als eine Art „Ritterschlag“ habe ich es empfunden, dass ich sogar andere Schüler bei bestimmten Tätigkeiten anleiten und zum Abschluss meiner Zeit, nach  intensiver Vorbereitung, die Verantwortung für eine Patienteneinheit übernehmen durfte. 

3. Frau Decker, wie würden Sie die Zusammenarbeit zwischen Praktikern, Lehrern und Studenten beschreiben?
Vanessa war die erste ausländische Schülerin auf unserer Station. Diese neue Situation war auch für uns spannend; wir wollten natürlich, dass es ihr gut geht und sie möglichst viel mitbekommt! Ihre hervorragenden Deutschkenntnisse haben es uns leicht gemacht; ihr Aufenthalt hat sich positiv auf das gesamte Team ausgewirkt und war ein echter Gewinn!  Durch unseren engen Kontakt zur Akademie für Gesundheitsberufe konnte aufkommende Fragen sofort beantwortet werden.

Überwiegend sonnig mit wenig Regen: 4 Wochen Praktikum in Irland

Zwei Altenpflegeschülerinnen der kbs verbrachten vier abwechslungsreiche Wochen auf der grünen Insel.

Ein Bericht von Nicole Pryschelski und Julia Metz

Innerhalb unserer Ausbildung zur Fachkraft für Altenpflege haben wir im März/April 2016 an einem Erasmusprojekt teilgenommen. Während unseres vierwöchigen Praktikums in Dublin, der Hauptstadt von Irland, haben wir im St. Gabriel's nursing home (einem Pflegeheim für Senioren) gearbeitet. Wir konnten viele Erfahrungen sammeln, die wir an dieser Stelle kurz und knackig schildern möchten.

Wichtige Pflegeerfahrungen auf der grünen Insel

Unser erster Arbeitstag im Praktikum startete am Montag, den 21.3.2016 um 10 Uhr. Begleitet wurden wir dabei von unserer Mentorin vor Ort, Ulrike McMahon. Uns wurde alles gezeigt und wir lernten unsere neuen Kollegen kennen. Die tägliche Arbeitszeit war von 8 bis 16 Uhr, montags bis freitags.

Dienstag ging es dann richtig los. Wir arbeiteten die meiste Zeit als Zusatzkräfte, es sei denn, jemand war mal krank. Die Unterschiede des Heims in Irland zu den Heimen in denen wir in Deutschland arbeiten sind enorm – positiv, aber auch negativ: mehr Personal, Pflege immer zu zweit, mehr Betreuungsangebote, andere Arbeitszeiten, mangelnde Struktur in der Pflege, andere Hygienevorschriften. Auffallend: der Umgang mit den Bewohnern im St. Gabriel's nursing home ist sehr liebevoll. Sie werden mit Vornamen oder Spitznamen angesprochen, was für einen vertrauten Umgang sorgt. Durch den besseren Personalschlüssel ist es dort möglich mehr mit den Bewohnern zu unternehmen und sich für gemeinsame Aktivitäten Zeit zu lassen.

Die Pflege zu zweit ist sehr sinnvoll, um einerseits den Mitarbeiter, aber auch den Bewohner zu schützen. Hingegen ist es nicht gut, wenn einer die rechte Körperhälfte wäscht und der andere währenddessen die linke Seite abtrocknet. An manchen Punkten hatten wir den Eindruck die Informationsweitergabe im Bezug auf Erkrankungen zwischen Krankenschwestern und Pflegehelfern fehlt. Dazu ist zu sagen, dass sich die Krankenschwestern ausschließlich um die Medikamentengabe, Behandlungspflege und Dokumentation kümmern. Die Körperpflege und Betreuung der Bewohner hingegen von Pflegehelfern übernommen wird.

Wir hatten vor Ort noch einen Sondersituation: der Norovirus war ausgebrochen. Wir haben also gesehen, wie dort Infektionsprophylaxe betrieben wird. Leider war der Virus sehr hartnäckig. In Sachen Intertrigoprophylaxe und Mundpflege könnten sich die Iren noch einiges bei uns Deutschen abgucken. Auch bei der Strukturierung der Pflege.

„Alles in allem hatten wir den Eindruck, dass dort mehr Wert auf die Beziehung zum Bewohner und die persönliche Betreuung, als auf medizinische Aspekte gelegt wird. Würde man das deutsche und das irische System kombinieren würde das DAS PERFEKTE ALTENHEIM bilden.“

Sightseeing in und rund um Dublin

Genug vom Altenheim, schließlich hatten wir neben unserer Arbeit auch Freizeit! Diese haben wir genutzt, um die Umgebung zu besichtigen. Wir waren in Howth am Hafen, der nur ungefähr fünf Minuten mit dem Zug entfernt war, in Malahide, in Greystones, wo ein wunderschöner Strand mit kleinen Klippen ist und am Dollymount Beach. Außerdem waren wir natürlich in der Innenstadt, die mit dem Zug schnell erreichbar ist. Hier gab es interessante Orte wie den St. Stephen's Green Park, den Temple Bar Market und gute Einkaufsmöglichkeiten. Neben den Orten, die wir selbstständig erreichen konnten, haben wir noch eine Tour nach Wicklow (Drehort des Films „P.S. ich liebe dich“), Kilkenny und Glendalough gemacht.

Wir hatten ziemliches Glück mit dem Wetter – von vier Wochen hat es nur eine Woche geregnet, was eine super Bilanz für irisches Wetter ist. Uns wurde gesagt, man erlebt dort oftmals vier Jahreszeiten an einem Tag. Unsere Gastfamilie war sehr nett. Es war alles super interessant, die Menschen waren total aufgeschlossen und freundlich. Wir haben uns sehr gut integriert gefühlt.

Fazit: Wir können jedem, der die Möglichkeit hat solch ein Praktikum zu machen dies nur wärmstens empfehlen. Wir hatten eine schöne Zeit mit vielen tollen Erlebnissen, die wir auf keinen Fall missen möchten!

Premiere: Schülerinnen der kbs besuchen Brasilien

So macht ein Praktikum im Ausland Spaß – in Brasilien wurden die kleinsten Patienten professionell und liebevoll versorgt.

Unvergessliche Wochen in Santa Maria

Ein Bericht von Rebecca und Ricarda Rentzschke (GuK Sep. 14)

Am Freitag, den 19.02.2016, ging es für uns los in ein bis dahin unbekanntes Land: Brasilien. Im Rahmen der Kooperation zwischen der Akademie für Gesundheitsberufe (kbs) und dem Centro Universitário Franciscano absolvierten wir vier Wochen ein Pflegepraktikum in die Universitätsstadt Santa Maria im Süden Brasiliens. Dort arbeiteten wir in zwei verschiedenen Krankenhäusern: zum einen im OP-Bereich des Hospital São Francisco de Assis und zum anderen auf einer sogenannten „Normalstation“ im Casa de Saúde.

Untergebracht wurden wir im Casa de Retiros in Schoenstatt. Dort teilten wir uns ein geräumiges Doppelzimmer mit eigenem Bad. Auf der gleichen Etage befand sich eine kleine Küche für alle Bewohner und ein Raum mit Waschmaschine und Bügeleisen. Die Unterkunft war nur wenige Autofahrminuten vom Hospital São Francisco de Assis entfernt und rund 10 Minuten mit dem Taxi zum Casa de Saúde.

Die ersten drei Wochen wurden wir im OP eingesetzt und arbeiteten von 7 bis 16 Uhr. Von Beginn an wurden wir herzlich aufgenommen und ins Team integriert. Wir begleiteten die zu operierenden Patienten von der Aufnahme, Narkose, Operation und  postoperativen Versorgung bis hin zur Entlassung/Verlegung. Trotz einiger sprachlicher Hürden zeigten und erklärten uns die Mitarbeiter alles und direkt ab dem zweiten Tag durften wir verantwortlich mitarbeiten, wie z.B. die Versorgung von Neugeborenen, die Vorbereitung von Kompressen für die Sterilisation, aufräumen und desinfizieren der OP-Säle sowie der Transfer von Patienten. Besonderes Highlight: Bei englisch– bzw. deutschsprachigen Anästhesisten und Chirurgen durften wir sogar dem Arzt assistieren, indem wir die Materialien steril anreichten. Es waren spannende und lehrreiche Stunden im OP. Wir erhielten Einblick in Bereiche, die wir in Deutschland vielleicht während der Ausbildung nicht zu sehen bekommen.

In unserer letzten Woche arbeiteten wir von 7 bis 13 Uhr im Casa de Saúde etwas außerhalb der Stadt. Die Station Santa Înes hat 11 Zweibett-Zimmer mit Patienten unterschiedlicher Erkrankungen. Neben der Bestimmung der Vitalparameter unterstützten wir das Pflegepersonal, indem wir Patienten wuschen und die Wundversorgung übernahmen. Die Pflege ist prinzipiell wie bei uns in Deutschland, trotzdem mussten wir uns an die brasilianischen Gegebenheiten gewöhnen – manchmal brauchte man sogar ein gutes Improvisationstalent.

Neben der Arbeit im Krankenhaus besuchten wir vielfältige Veranstaltungen in der Universität. So durften wir u.a. am Unterricht in verschiedenen Semestern teilnehmen und besuchten diverse Veranstaltungen. In unserer Freizeit besuchten wir ein Altenheim, eine Favela und unternahmen viel gemeinsam mit den Studenten sowie den Pflegekräften und lernten das brasilianische Leben kennen.

Abschließend kann man sagen, dass wir trotz einiger Sprachprobleme sehr viel lernen, aber auch viel von unserem Wissen weitergeben konnten. Brasilien hat zwar nicht den Standard wie wir ihn in Deutschland kennen, aber gerade deswegen ist fiel unsere Wahl auf Brasilien: In einem wirklich fremden Land unseren Horizont zu erweitern und damit viel für unsere persönliche Entwicklung mitnehmen zu können. Wir empfehlen jedem diese Chance wahrzunehmen, denn nichts in aller Welt bringt euch ein neues Land und eine neue Kultur (auch bezüglich der Pflege) näher als ein Auslandspraktikum! 

INFO: Der Kontakt nach Brasilien erwuchs aus der Verbindung der Franziskanerinnen von Lüdinghausen, Gründerinnen unserer Pflegeschule, mit der brasilianischen Universität "Centro Universitário Franciscano". Diese wird von brasilianischen Mitschwestern getragen und franziskanische Ordensschwestern sind dort als Lehrkräfte tätig. 

Der Beitrag unserer beiden weitgereisten Schülerinnen sowie weitere Fotos erscheinen auch auf deren Homepage

Neue Kooperation mit Pflegeschule in Ghana

Thomas Kutschke, Geschäftsführer der kbs, und sein Team begrüßt gemeinsam mit Sr. Mathilde, Oberin des Franziskus-Konvents im Krankenhaus St. Franziskus die Leiterin der St. Patrick’s Midwifery Training School, Mrs. Lumor.

Interessante Impulse für das Zukunftsthema Pflege verspricht die neue Kooperation zwischen der St. Patrick´s Midwifery Training School in Offinso (Ghana) und der Akademie für Gesundheitsberufe (kbs) in Mönchengladbach.

Vielfältige Austauschprogramme innerhalb Europas, die den Schülerinnen und Schülern neue Eindrücke und Impulse über den regulären Unterricht hinaus bieten, sind seit vielen Jahren fester Bestandteil des Schulprogramms der Akademie für Gesundheitsberufe (kbs). Umso mehr freut sich jetzt Geschäftsführer Thomas Kutschke über die neue Kooperation mit der St. Patrick´s Midwifery Training School (Hebammenschule am St. Patrick’s Hospital) im westafrikanischen Ghana. „Die Lerninhalte der beiden Schulen ergänzen sich ideal“, erläutert Kutschke im Gespräch.

Auch in der Pflegeausbildung voneinander lernen

Zu einem ersten Kennenlernen und für einen fachlichen, pädagogischen Austausch über die Pflegeausbildung besucht aktuell eine Delegation der St. Patrick´s Midwifery Training School die Akademie für Gesundheitsberufe (kbs). Dora Lumor, Schulleiterin der ghanaischen Pflegeakademie, erhält in den nächsten Tagen Einblicke in den Unterricht der Ausbildungsbereiche Operationstechnische/Anästhesietechnische Assistenz (OTA/ATA), Gesundheits- und Krankenpflege (GUK) und Altenpflege (AP). „Besonders interessiert sind wir am Konzept des ,Problemorientierten Lernens’, das hier an der kbs sehr gefördert wird“, erklärt Mrs. Lumor. Begleitet wird sie von zwei Studentinnen, die ein vierwöchiges Praktikum innerhalb der operativen Pflege der Chirurgie und Urologie der Kliniken Maria Hilf absolvieren.Unter anderem

Ziel der neuen Kooperation soll es sein, zunächst Schülerinnen und Schülern der kbs einen praktischen Einsatz im zugehörigen Krankenhaus in Ghana zu ermöglichen und im Austausch weitere Studentinnen und Studenten aus Offinso in der kbs und den Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach zu begrüßen. 

EU-Projekt: Erasmus +

Die Akademie für Gesundheitsberufe (kbs) ermöglicht ihren Schülerinnen und Schülern praktische Erfahrungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen Europas und damit den Blick auf die Pflege, aber auch das Zusammenleben und die Verständigung mit anderen Kulturen. Die kbs organisiert dazu bereits seit 2010 Projekte in Belgien, Finnland sowie den Niederlanden und seit 2015 auch in Irland. Die Praktika finden meistens in einer Altenpflege- oder Rehabilitationseinrichtung statt. In der Regel werden zwei Schülerinnen bzw. Schüler (kursübergreifend) zeitgleich für vier Wochen entsendet. 

Auswahlkriterien

  • Schülerinnen und Schüler im 3./4. Semester
  • gute theoretische und praktische Leistungen 
  • geringe Fehlzeiten 
  • Englisch-Kenntnisse; ggf. Teilnahme am Englisch-Kurs
  • gut ausgeprägte Softskills, z.B. Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Zuverlässigkeit etc. 
  • persönliches Engagement, z.B. an Schulprojekten, Paten für ausländische Schüler, Ehrenamt o.ä.

Weitere Informationen zur Bewerbung für ein Auslandspraktikum und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten geben unsere Projektkoordinatorinnen Cordula Wiesner und Angelika Baumann

Erasmus + am Beispiel Belgien

Eine Reha-Klinik an der belgischen Küste 

von Jörg Rüffgens und Richard Rauber (GUK April 12)

Am Sonntag, dem 6.10.2013 ging es für uns los: ein Monat in einer Reha-Klinik an der belgischen Küste lag vor uns. Im Rahmen des Leonardo-da-Vinci* Auslandsprojekts der Europäischen Union fuhren wir nach Oostduinkerke in die Klinik De KEI (Koningin Elisabeth Instituut), wo wir vier Wochen lang als Pflegekräfte den „Alltag auf Station“ erleben durften. Die Schwerpunkte der Rehabilitation dort liegen im neurologischen und orthopädischen Bereich. Die direkt am Meer gelegene Klinik wird zur Zeit renoviert und modernisiert.

Mit unseren Vorstellungen und überlegten Lernzielen im Gepäck waren wir sehr gespannt inwieweit diese zutreffend und umsetzbar sein würden. Zuerst zur Unterkunft: Diese hat, nach Absprache mit uns, der Koordinator der belgischen Schule organisiert. Sie lag im Nachbarort Koksjide und war mit zwei Zimmern geräumig genug, um den Monat mit genügend Freiraum zu verbringen. Sie war nicht weit vom Meer entfernt und wurde zu Beginn des Jahres erst renoviert.

Da wir mit dem PKW anreisten, konnten wir auf das gut organisierte ÖPNV-Netz verzichten. Mit diesem wäre die Klinik innerhalb von 10 Minuten zu erreichen gewesen.

Wir wurden in Früh- (7 – 16 Uhr) oder Spätdienst (10.30 – 19 Uhr) eingesetzt. Während dieser Zeit waren wir fester Bestandteil des Teams und nach den ersten Tagen bereits voll integriert. Trotz ein paar Verständigungsproblemen war die Kommunikation mit Patienten und Pflegekräften möglich. Wir waren positiv überrascht wie viel Interesse und Zeit für unsere Anleitungen und Fragen vorhanden war. Wir lernten den kompletten Ablauf eines Patientenaufenthalts von der Aufnahme über die Pflege und Therapie bis hin zur Entlassung zu begleiten. Von unseren Kollegen lernten wir nicht nur neue Techniken für die Arbeit, sondern erhielten auch Tipps für unsere Freizeit.

Neben den nahegelegenen Orten besuchten wir ebenso weiter entfernte Städte wie Ypern, Brügge, Gent oder Calais in denen wir die Kultur und Geschichte der Region näher kennenlernten. Abschließend können wir sagen, dass es eine großartige und vor allem lehrreiche Erfahrung war an diesem Projekt teilzunehmen.

*Anmerkung: "Erasmus+" ist das Folge-Programm von "Leonardo-da-Vinci"

Erasmus + am Beispiel Finnland

Ohne Sauna geht hier nichts - Alltag in einem Altenheim in Helsinki

von Kirsten Böckelmann und Eleonora Esser – Guk Apr 12

Am 6. Oktober 2013 machten Kirsten und ich uns auf den Weg nach Helsinki um vier Wochen dort zu leben und zu arbeiten. Unsere zuständige Lehrerin Anna Anthoni, eine ausgebildete Kinderkrankenschwester und Lehrerin der Pflegeberufe an einer finnischen Pflegeschule, organisierte für uns eine nette Unterkunft in Koskela, nördlich von Helsinki. Wir wohnten in einem ehemaligen Schwesternwohnheim. Es war eine kleine, gemütliche Wohnung mit zwei Zimmern, einer Küche, einem Bad und wir teilten uns das Wohnzimmer mit acht anderen Bewohnern aus verschieden Ländern. Abends bestand hier die Möglichkeit sich auszutauschen und kennenzulernen.

Kirsten und ich arbeiteten in einem Altenheim in Kontula, dem „Kontula Comprehensive Service Center“. Dabei handelt es sich um ein modernes, großes Gebäude mit vier Etagen. Jede Etage hat drei Wohngruppen mit 14 Bewohnern mit verschiedenen Schwerpunkten der Pflege. Zwei der Wohngruppen waren für Menschen mit Gedächtnisstörungen wie Demenz oder Alzheimer; in einer weiteren Wohngruppe lebten ältere Menschen, die zwar mental noch fit, jedoch durch verschiedene Krankheiten z.B. Schlaganfall körperlich eingeschränkt waren.

Kurzzeitpflege und Rehabilitation

Die vierte Etage kümmerte sich speziell um die Kurzzeitpflege und Rehabilitation und war eine Anlaufstelle für ältere Menschen nach einem Aufenthalt im Krankenhaus, um soweit rehabilitiert zu werden, dass sie wieder nach Hause können. Dort wurde entschieden, ob die Menschen noch in der Lage sind ihr tägliches Leben selbstständig zu gestalten und sich selbstständig zu versorgen. Zudem gab es im Erdgeschoss noch eine Tagespflege, in der die Senioren tagsüber zur Beschäftigung das Zentrum besuchen. Kirsten und ich arbeiteten jeden Tag von 8 bis 16 Uhr, sodass wir einen Einblick in Früh- und Spätschicht bekamen. In den Wohngruppen wurden über den Tag verteilt verschiedene Aktivitäten angeboten; jeden Tag wurde ein entsprechender Plan in den Etagen ausgeteilt. Wir haben zusammen mit den Bewohnern verschiedener Wohngruppen Karaoke gesungen und an einem Gottesdienst teilgenommen; besonders schön waren die Tanzkurse, bei denen die Menschen zu Liedern ihrer Zeit tanzten. Uns wurde erklärt, dass es damals sehr beliebt war tanzen zu gehen. Man konnte sehen, wie viel Spaß die Menschen dabei hatten – es war etwas was sie an früher erinnerte.

Zeit für Pflege und persönliche Wünsche

Zudem hatte jede Etage ihre eigens zugewiesenen Physiotherapeuten sowie speziell ausgebildete Rehabilitationsschwestern, die jeden Vormittag zusammen mit den älteren Menschen im Forum Übungen machten. Diese fördern die Mobilität der Senioren, z. B. indem in Sitzkreisen Ballspiele angeboten wurden oder verschiedene Trainingsgeräte für Übungen zur Verfügung stehen. In jeder Wohngruppe waren stets eine Oberschwester, eine Krankenschwester, drei Helferschwestern, eine Hauswirtschaftskraft, eine Rehabilitationsschwester und eine Physiotherapeutin – ein Team, das ein angenehmes und bewohnergerechtes Arbeiten ermöglichte. Die Bewohner hatten die Möglichkeit zu ihren gewohnten Zeiten aufzustehen, denn es gab Menschen, die wollten möglichst früh geweckt werden und manche wollten gerne länger schlafen. Die Pflege war immer auf das Ziel ausgerichtet, die Ressourcen des Bewohners so gut wie möglich zu erhalten. Man hatte viel Zeit sich den Bewohnern zuzuwenden, die Pflege auszukosten und alle Wünsche und Bedürfnisse des Bewohners einzuhalten. Zudem hatte jede der Wohngruppe eine eigene Sauna, die nach Wunsch besucht werden konnte (in Finnland ist das saunieren eine Tradition und trägt ein Stück zum Wohlbefinden der Menschen bei). Des Weiteren hatte jede Wohngruppe einen großen Balkon mit vielen Pflanzen und Blumen, die auch von den Bewohnern mitgepflegt wurden.

Individuelle Zuwendung als Selbstverständlichkeit

Einen Tag haben wir zusammen mit der Rehabilitationsschwester verbracht, sie hat uns gezeigt welche Arbeit sie leistet. Jeden Tag kümmert sie sich während ihres Dienstes intensiv um vier  Bewohner. Für jeden Bewohner ist ein bestimmter Plan aufgestellt, der ausgeführt wird. An „unserem“ Tag gingen wir mit einer Bewohnerin, ihr Name war Helmi aus der Wohngruppe „Apila“ (Kleeblatt), in die hauseigene Gymnastikhalle, wo verschiedene Übungen anstanden, speziell für die Bein – und Hüftgymnastik. Anschließend ging es gemeinsam in das hauseigene Schwimmbad, dort wurde dann Wassergymnastik angeboten und anschließend ging die Schwester mit ihr zusammen in die Sauna. Es ist sehr bewundernswert, wie intensiv die Pflege durchgeführt wird. Zudem wurde jeden Tag für verschiedene Bewohner ein Spaziergang angeboten oder auch Ausflüge die mehrmals im Monat stattfanden. Wir fuhren zusammen mit ein paar Bewohnern zum sehr bekannten Fischmarkt am Hafen Helsinkis, die älteren Menschen waren begeistert. Jeder hatte die Möglichkeit eine Kleinigkeit mitzunehmen.

Fazit

Die Kommunikation war zwar nur teilweise möglich, aber die Bewohner waren teilweise auch in der Lage Englisch oder sogar Deutsch zu sprechen, wenn es in der Schule gelernt wurde. Ansonsten hat man sich auch ohne Sprache gut verständigen können. Dies gilt ebenso für die netten und freundlichen Mitarbeiter, die alle sehr interessiert daran waren uns etwas beizubringen oder zu zeigen.

Insgesamt war es eine wunderschöne und Erfahrungswerte Zeit in Helsinki, wir haben die Zeit dort sehr genossen und können jedem nur empfehlen die Chance zu nutzen dieses Praktikum wahrzunehmen. Es bringt einen in vieler Hinsicht weiter, man entdeckt die Unterschiede der Pflege in den Ländern, lernt viel über die Kultur des Landes und erweitert somit auch sein Blickfeld auf sein eigenes Arbeiten.